Nachhaltige und ganzheitliche Quartierentwicklung

Schweizerischer Gemeindeverband

Der Direktor des Bundesamts für Umwelt und der Präsident des Schweizerischen Gemeindeverbands äussern sich im Vorwort des Leitfadens „Biodiversität in Gemeinden“ wie folgt und fordern zugleich, wie mit diesem Konzept intendiert, eine Zusammenarbeit von Gemeinden, Kantonen, Bund, Wirtschaft und Gesellschaft:

„Eine hohe Biodiversität wertet das Landschaftsbild auf und ermöglicht uns, die Natur in ihrer Vielfalt zu entdecken. Die Biodiversität schützt uns aber auch vor Naturgefahren und versorgt uns mit Nahrungsmitteln, Trinkwasser und sauberer Luft. Eine intakte Biodiversität ist von grösstem volkswirtschaftlichem Wert und für unsere Lebensqualität unabdingbar. Die Politik hat sich mit der Strategie Biodiversität Schweiz klar zu mehr Biodiversität bekannt.

Das Oberziel lautet: «Die Biodiversität ist reichhaltig und gegenüber Veränderungen reaktionsfähig. Die Biodiversität und ihre Ökosystemleistungen sind langfristig erhalten.» Die Strategie gibt dabei Schwerpunkte und Handlungsfelder vor, an denen wir uns orientieren müssen.

Erreichen werden wir die hier umschriebenen Ziele nur gemeinsam. Gemeinden, Kantone, Bund, Wirtschaft und Gesellschaft sind gefordert zu handeln. Es ist eine ökonomische Notwendigkeit, die Biodiversität zu erhalten. Gleichzeitig haben wir auch den Auftrag, ihre ganze Vielfalt für uns und für künftige Generationen zu sichern.

Wir haben es in der Hand, die Natur als Kapital zu bewahren. So vielfältig die Biodiversität sein kann, so vielfältig sind auch die Möglichkeiten, diese zu stärken.

Bereits haben etliche Gemeinden das Potenzial der Biodiversität erkannt. Sowohl im Naherholungsgebiet als auch im Siedlungsraum oder in der Landwirtschaft liessen sich zahlreiche Flächen aufwerten und konnten Arten erfolgreich gefördert werden.“      Schweizerischer Gemeindeverband, Leitfaden Biodiversität in Gemeinden, 2017

Leitfaden Biodiversität in Gemeinden

Schweizer Heimatschutz

„Positionspapier Verdichten braucht Qualität“, 2011:

„Jedes Grundstück trägt ein Stück Geschichte in sich. Damit Areale oder Quartiere mit Ersatzneubauten nicht zu toten Orten werden, müssen gezielt identitätsbildende Elemente erhalten werden“.

„Die öffentliche Hand muss Mindestflächen und Grünanteile vor Beginn des Verdichtungsprozesses verbindlich vorsehen.“

„Die vertretbare Dichte für ein Quartier oder Häusergeviert muss sorgfältig eruiert werden.

„Was einmal gebaut ist, kann über Jahrzehnte kaum mehr rückgängig gemacht werden“.

„Später sind Reparaturen kaum mehr möglich oder mit enormen Kosten verbunden“.

„Der Erhalt der Biodiversität muss garantiert werden“.

Quelle: Schweizer Heimatschutz_Positionspapier_Verdichten

MONET: Nachhaltigkeit messen in der Schweiz

Monet: Nachhaltigkeit messen in der Schweiz (Bundesamt für Raumentwicklung und Bundesamt für Statistik –  nationales Indikatorensystem)

MONET: Nachhaltigkeit messen in der Schweiz

Bundesamt für Raumentwicklung, Bundesamt für Energie

„Nachhaltige Quartiere in Kürze“, 2014:

„Eine nachhaltige Bodenbewirtschaftung verlangt eine Siedlungsverdichtung ohne qualitative Einbussen. Zur Schaffung eines nachhaltigen Lebensraums tragen insbesondere folgende Elemente bei : Langsamverkehr, Energieeffizienz, Verminderung des Ressourcenverbrauchs, Erhalt der Biodiversität, funktionale und soziale Durchmischung sowie öffentliche Räume, die zu Begegnungen und zur Entspannung einladen.“

„Werden die bestehenden Naturräume erhalten und durch Korridore miteinander verbunden, können sich gewisse Ökosysteme auch innerhalb von Siedlungen entwickeln.“

„Besonders anfällige oder ökologisch wertvolle Flächen können somit weniger oft gemäht oder gar in ihrem natürlichen Zustand belassen werden.“

„Zur erfolgreichen Quartiergestaltung braucht es viele Akteure : die öffentliche Hand, Projektträger, Planer, Unternehmen und die Zivilgesellschaft. Eine situationsgerechte Gouvernanz ist unerlässlich, um die verschiedenen Erwartungen und die vielfältigen, oft gegensätzlichen Bedürfnisse miteinander in Einklang zu bringen und die individuellen Kompetenzen bestmöglich einzubringen.“

„Die Quartierbevölkerung einbeziehen. Partizipation kann auf verschiedenen Ebenen erfolgen und von der blossen Information bis zur Selbstverwaltung reichen.“

„Die Schaffung von Grünflächen entspricht einem gesellschaftlichen Bedürfnis und sollte mit anderen Zielen wie der Partizipation, dem Langsamverkehr oder der Wasserbewirtschaftung koordiniert werden.“

„Eine gute Gouvernanz setzt auch die Suche nach Lösungen voraus, welche bei Bedarf politische und administrative Grenzen überwinden. So sollten bei der Erarbeitung und Entwicklung von Grossprojekten diverse Praktiken zum Einsatz kommen : öffentlich-private Partnerschaften, die Gründung von Verbänden von verschiedenen Eigentümern oder der Einbezug von Genossenschaften.“

Quelle: Nachhaltige_Quartiere_in_Kuerze

Strategie Nachhaltige Entwicklung (SNE):  Strategie Nachhaltige Entwicklung 2016-2019

Strategie_Nachhaltige_Entwicklung_2016-2019

Trends_und_Herausforderungen_Raumentwicklung Schweiz_2018

Bundesamt für Umwelt, Bundesrat

„Strategie Biodiversität Schweiz und Aktionsplan“, 2017:

Der Bundesrat hat die schlechten Ergebnisse zur Biodiversität des Umweltberichts aufgenommen. Frau Bundesrätin Doris Leuthard stellte 2017 den Aktionsplan mit  drei Aktionsbereichen und 26 Massnahmen vor. 

„Eine funktionale Vernetzung von Lebensräumen besteht dann, wenn der Austausch und die Bewegungen von Individuen, Genen und ökologischen Prozessen (beispielsweise durch Wanderung) zwischen diesen Lebensräumen mit Korridoren und Trittsteinen gewährleistet sind. Wo nötig sollen Schutzgebiete ergänzt oder Gebiete bestimmt werden, in denen Massnahmen zur spezifischen Förderung von Arten getroffen werden können. Davon profitieren insbesondere gefährdete Arten, für deren Erhaltung die Schweiz eine internationale Verantwortung trägt (National Prioritäre Arten). 

Strategie Biodiversität Schweiz und Aktionsplan

„Am 25. September 2015 haben die 193 Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung verabschiedet. Sie ist seit 2016 der global geltende Rahmen für die nationalen und internationalen Bemühungen zur gemeinsamen Lösung der grossen Herausforderungen der Welt. Dazu gehört auch die Erhaltung der Biodiversität. Die Strategie Nachhaltige Entwicklung 2016–2019 des Bundesrates orientiert sich an der Agenda 2030. Kernbestandteil der Agenda 2030 sind die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) und ihre 169 Unterziele. Ziel 15 fordert, Landökosysteme zu schützen, wiederherzustellen und ihre nachhaltige Nutzung zu fördern sowie den Biodiversitätsverlust zu stoppen. Die Umsetzung der Aichi-Biodiversitätsziele gilt als ein wichtiger Beitrag zur Umsetzung der Agenda 2030.“ 

Ziele für eine nachhaltige Entwicklung

Studie „Soziale Profile und Wohnsituation in der Stadt Zürich in Abhängigkeit vom Eigentümertyp 2000 – 2011“

Artikel von raumdaten GmbH, 2013

„Neubau heisst vor allem eines: Grosszügiger zu bauen.“

„Ältere Personen sind in Neubau deutlich untervertreten.“

„Neubau führt zurzeit jedoch nicht zu einer Bevölkerungsverdichtung und damit zu einem haushälterischen Umgang mit dem Boden, sondern in erster Linie zu mehr Flächenverbrauch.“

„Auch wenn die Neubauwohnungen recht hohe energetische und ökologische Standards erfüllen, so macht der erhöhte Flächenverbrauch diesen Fortschritt wieder zunichte, wenn er ihn nicht sogar ins Gegenteil verkehrt….Da erstaunt es, dass die aktuellen Entwicklungen im Neubau die Dimensionen und Anforderungen der Nachhaltigkeit nur unzureichend erfüllen.“

„Die häufig zu grosszügigen Wohnungsgrundrisse sind zudem nur bedingt lebensphasenflexibel und sprechen somit nur eine begrenzte Zielgruppe an. Wenn Vermarktungszeiten, Leerstände und Fluktuation aus diesem Grund zunehmen, so sind Neubauten letztendlich sogar ökonomisch nicht rentabel. Weiter werden bestimmte Bevölkerungsgruppen oftmals unbewusst in der Vermietungspraxis benachteiligt, und soziale Durchmischung wird zu wenig berücksichtigt. Im Wohnungsbau ist Umdenken gefordert, sowohl in ökonomischer, sozialer und ökologischer Hinsicht.“

Quelle: Im Wohnungsneubau ist Umdenken gefordert_StudieMVZ_20130913

Bundesamt für Statistik: Der Leerwohnungsstand nimmt weiter zu.

BFS Leerwohnungszählung 2017

Bundesamt für Umwelt, 2015

„Die Biodiversität ist in der Schweiz in einem schlechten Zustand, wie die stark zurückgegangene Fläche wertvoller Lebensräume (Auen, Moore, Trockenwiesen und -weiden) und der hohe Anteil gefährdeter Tier-, Pflanzen-, Flechten- und Pilzarten zeigen. Mit den schrumpfenden Artenbeständen geht gleichzeitig genetische Vielfalt verloren. Hauptursachen sind die intensive Landwirtschaft, die Verbauung und Nutzung der Gewässer zur Stromerzeugung, die Bodenversiegelung, die Landschaftszerschneidung sowie die Ausbreitung invasiver gebietsfremder Arten. Durch den Verlust der Biodiversität sind Ökosystemleistungen wie reine Luft, sauberes Trinkwasser, Bodenfruchtbarkeit oder die Bestäubung von Nutz- und Wildpflanzen gefährdet.“

„Die mittel- und langfristigen Einbussen und Schäden bei der Biodiversität werden in den Entscheidungsfindungsprozessen der Sektoralpolitiken ökonomisch noch unterschätzt. Deshalb sieht der Aktionsplan Strategie Biodiversität Schweiz Massnahmen vor, die eine stärkere Berücksichtigung der Leistungen der Biodiversität ermöglichen. So muss beispielweise die Umsetzung der Energiestrategie 2050 beim Ausbau der Wasserkraft wertvolle Gewässer berücksichtigen. Stoffliche Belastungen (vor allem Ammoniak und Pflanzschutzmittel) sind weiter zu reduzieren, und es soll ausreichend Fläche als Lebensraum zur Verfügung gestellt werden.“

„Zustand: negativ  36 % der untersuchten Arten sind gefährdet, und 10 % sind potenziell gefährdet. Somit sind fast die Hälfte der einheimischen Arten mehr oder weniger akut vom Aussterben bedroht.

Entwicklung: negativ. Nur wenige der untersuchten Gruppen konnten zu Vergleichszwecken ein zweites Mal überprüft werden. Die Ergebnisse für die untersuchten Gruppen zeigen jedoch, dass das Ziel, die Zahl der gefährdeten Arten um jährlich 1 % zu senken, klar verfehlt worden ist.“

Umwelt Schweiz 2015 – Bericht des Bundesrates: Bundesrat_Umwelt_Schweiz_Bericht2015

Umwelt_ Fussabdrücke der Schweiz_2018

Bundesgesetz über den Umweltschutz

„Bund und Kantone streben ein auf Dauer ausgewogenes Verhältnis zwischen der Natur und ihrer Erneuerungsfähigkeit einerseits und ihrer Beanspruchung durch den Menschen anderseits an.“

Bundesgesetz über den Umweltschutz

Bundesverfassung Art. 73 Nachhaltigkeit 

Bundesverfassung

Nachhaltige Quartiere

http://www.nachhaltige-quartiere.ch/de/

Die vorgenannten Quellen sind ein Auszug, vieler Studien und Gesetzesgrundlagen, die geprüft worden sind. Aus Gründen der Darstellbarkeit wurde auf weitere Daten verzichtet.

Bestandsaufnahme und Konzeptentwurf Natur- und Heimatschutz, Biodiversität und nachhaltige Quartierentwicklung im Rombachtäli: 

Was haben mehrere kritisch bedrohte Arten wie der Feuersalamander, die Ringelnatter und die Gelbbauchunke, das geschichtliche Erbe von jahrhundertealten, langen und weitgehend unerforschten Erzbohnabbaustollen, der Küttiger Dachapfel, kartographierte Amphibienlaichplätze, Hochstammbäume, das Rombachgut im Besitz von Major Daniel Pfleger, neue Jobmöglichkeiten, eine hohe Verdichtung einer interkulturellen Bevölkerung in unmittelbarer Laufdistanz zur Kantonshauptstadt, nachhaltige Gemeindeentwicklung und engagierte Bevölkerung miteinander zu tun?

Sie alle sind ein realer Wert im Rombachtäli und / oder Bestandteil dieser Bestandesaufnahme und des Entwurfs für ein Best Practice Konzept mit hohem und langfristigen Mehrwert für die Natur und alle Akteure.

Mit der beiliegenden Bestandsaufnahme und dem Konzeptentwurf wird eine Kooperation von Bürgerinnen, Naturschutzverbänden, dem Heimatschutz, der Gemeinde Küttigen / Rombach, des Quartiervereins Rombachtäli und des Kantons Aargau angestrebt.  Wir fokussieren ein kooperatives gesellschaftliches und behördliches Handeln in der praktischen Implementation existierender Gesetze, Leitfäden und Anregungen zum Natur- und Heimatschutzes und nachhaltiger Entwicklung.

Ein Best Practice Projekt mit Multiplikationscharakter und eine Win – Win Situation im einzigartigen Natur- und Naherholungsgebiet Rombachtäli können hierdurch geschaffen werden.

Anhand des Best Practice Projekts im Rombachtäli kann exemplarisch aufgezeigt werden, dass die bestehende hohe Verdichtung, Natur- und Heimatschutz, nachhaltige Gemeindeentwicklung und eine enge Zusammenarbeit von Bevölkerung und öffentlicher Hand miteinander funktionieren können.

Durch die im Konzept und der Zusammenfassung genannten kombinierten Alleinstellungsmerkmale, die in dieser Nähe zur Kantonshauptstadt ihresgleichen suchen, ist durchaus eine Begegnungsstätte mit Museumscharakter  (Stollen/ Historie des Erzbohnabbaus, Naturschutz/ Amphibienlaichplatz; Naherholungsort mit drei Wäldern und dem Rombach) denkbar.

Die in diesem Konzept vorliegenden Werte sind real und der Allgemeinheit dienend. Sie bieten einen höheren Mehrwert und Return of Investment in allen Nachhaltigkeitsdimensionen und für viele Menschen, als eindimensionale Vorhaben mit kurzfristigem und oftmals spekulativen Mehrwert und langfristigen Schäden/ Verlusten in den anderen Nachhaltigkeitsdimensionen. Nur durch eine Zusammenarbeit kann das Konzept vervollständigt und ein Mehrwert für Natur, Bevölkerung und nachkommende Generationen geschaffen werden.

Eine Begegnungsstätte Rombachtäli in der Naturschutz, Historie und Best Practice in nachhaltiger Gemeindeentwicklung vereint sind, mit derart vielen Merkmalen und in dieser Nähe zur Kantonshauptstadt und Verkehrsanbindungen wäre einzigartig und bietet neben dem vorgenannten Mehrwert ein Potential für nachhaltigen Tourismus und Bildung im Natur- und Heimatschutz.  Auf engstem Raum können der Schutz bedrohter Arten und Pflanzen sichtbar gemacht werden, eine Wanderung mit Informationstafeln und/ oder Teilfreilegungen von Stolleneingängen mit 800- jähriger Geschichte, wovon 468 Jahre gut dokumentiert sind, ein praktischer Ausflugs-/ Bildungsort für Schulen, ein Naherholungsort und ein Modellprojekt im Siedlungsraum für andere Gemeinden kombiniert werden. Es stellt sich weniger die Frage, ob dieses Erbe der Natur und unserer Vorfahren erhalten und gewürdigt werden sollten, sondern wann dies passieren wird.

Eine Machbarkeitsstudie, Fördergelder aus verschiedenen Programmen und zahlreiche Vernetzungen mit bestehenden Natur -/ Bildungs- und Ausflugsorten sind denkbar. Die wichtige Schnittstelle Rombachtäli zwischen den Gemeinden Aarau, Küttigen/ Rombach und Erlinsbach wird nachhaltig aufgewertet. Der nationale Aktionsplan des Bundesrats und Bundesamts für Umwelt „Strategie Biodiversität Schweiz“ vom 06.09.2017 steht strategisch und inhaltlich in mehreren Punkten in Kohärenz zu diesen Anliegen.

Lesen Sie mehr im Konzept, dem Anhang und dem zusammenfassenden Begleit-schrieben, das wir dem Gemeinderat, Naturschutzverbänden, dem Heimatschutz und Fachstellen zur Nachhaltigkeit zugeschickt haben:

Final_Flyer Rombachtaeli Biodiversität_web

Konzeptentwurf Natur- und Heimatschutz, Biodiversität und nachhaltige Quartierentwicklung im Rombachtäli _2018_vs.1.1_18_02_26_komprimiert

Zusammenfassung_2018_vs.1.1_18_02_25

Checkliste_Nachhaltigkeit_Aargau_Entwicklungsrichtplan RTvs.1.1_18_02_26

Rombachtäli Naturauftakt 2.0