Ökosystem

Mehrere bedrohte und besonders geschützte Arten, haben im Rombachtäli ihre Heimat. So zum Beispiel der Feuersalamander (Salamandra salamandra ), der die Farben der Gemeinde Küttigen – Rombach trägt und Amphibie des Jahres 2016 in der Schweiz war. Zudem leben mehr als 10  der 30 Schweizer Fledermausarten in unserem Tal, der Iltis, Ringelnattern, eine grosse Anzahl an Vögeln und insgesamt als 100 bislang registrierte Arten. Die erste systematische Erfassung in 8 Teilprojekten läuft derzeit noch. Erster Bericht Erhebung Naturinventar Rombachtälivs.1.3_18_05_27

Das Rombachtäli ist als Naherholungsgebiet für umliegende Gemeinden aufgrund seines intakten Ökosystems attraktiv – es zieht Bürgerinnen, Besucherinnen und Naturfreunde mit unterschiedlichsten Interessen an und erhält die Natur in direkter Nähe zur Kantonshauptstadt.

Weltweit sind Tausende von Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht. Allein in der Schweiz stehen über 3’000 Tiere und Pflanzen auf den Roten Listen bedrohter Arten. 506 einheimische Schweizer Tier- und Pflanzenarten stehen auf den Roten Listen der gefährdeten Arten in der Kategorie CR = „critically endangered“. Das bedeutet, dass sie unmittelbar vom Aussterben bedroht sind und dies nicht selten durch unzureichend durchdachten Bauvorhaben. Weltweit sind 26.000 Arten bedroht wie die Weltnaturschutzunion (IUCN) mitteilt)!

Ohne geeignete Schutzmassnahmen verschwinden viele dieser Arten vielleicht schon bald für immer. Reptilien, die die gefährdetste Wirbeltiergruppe in der Schweiz sind gehören bspw. hierzu: 11 von 14 Arten stehen auf der Roten Liste.

Einige Arten der Kategorie CR leben im Rombachtäli. Dokumentationen und Schutzempfehlungen liegen seitens der Naturschutzverbände vor.  Die bedenklichen Trends in den Umweltberichten zeigen auf, dass eine Verbesserung nur erreicht werden kann, wenn Menschen zum Schutz der Arten aktiv mitgenommen werden. Eine Differenzierung nach Gefährdungsgrad und Fokussierung auf einzelne Arten oder Schutzgebiete lehnen wir ab. Es ist notwendig gesamten interdependent vernetzten Lebensraum zu betrachten & erhalten und nach Dekaden stetigen Artenrückgangs, neue und ganzheitliche Wege zu gehen.

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Im nunmehr sistierten Entwicklungsrichtplan Rombachtäli war nicht belegt, wie in einem engen Tal, dass an drei Seiten direkt an den Wald und nachfolgend an weitere Naturschutzgebiete in Küttigen anstösst – Artenschutz und Naturschutz, Wildtierwechsel, Naturkorridore und Durchlässigkeit in der Landschaft  ausreichend geprüft worden sind. Ein Naturinventar fehlt bislang und ganze drei mittelalterliche Stollen (die zum Lebensraum geworden sind) wurden übersehen. Die Wälder des Rombachtälis grenzen an die sieben Naturschutzgebiete der Gemeinde Küttigen – Rombach an.

Für den Feuersalamander, den Iltis, die Ringelnatter und weitere kritische bedrohte Arten ist die bestehende Durchlässigkeit und keine weitere Verdichtung lebensnotwendig. Grundsätze wie Verdichtung und Wohnungsbau, sind sowohl bei einem Ökosystem mit der bereits vorhanden hohen Dichte an Gebäuden, Menschen und Verkehr, als auch insbesondere aufgrund der bedrohten und nachgewiesenen Arten die hier leben, fehl am Platz. Umweltbericht2018_D

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„Populationen in Siedlungsgebieten sind besonders empfindlich auf bauliche Veränderungen und Eingriffe. Im Rahmen der Siedlungsplanung müssen die Feuersalamander-Vorkommen erfasst und geschützt werden. Die Abtrennung solcher Gebiete durch den Bau von Strassen führt zu einer Verkleinerung und Zerstückelung des Lebensraums mit möglicherweise gravierenden Folgen, die im Extremfall zum Aussterben einer Population führen können.“  Link: info fauna Karch

Die Ringelnatter – Status in der Rote Liste: stark gefährdet 

Eine weitere kritisch bedrohte Art wurde dokumentiert (und weitere Male gemeldet), die Ringelnatter (Natrix Natrix).  Ihre ehemals ausgedehnten Lebensräume sind durch Melioration in den letzten Jahrhunderten auf Reste zusammengeschrumpft. dass Grössere Bestände sind heute selten. Die Zerstörung des Lebensraums findet weiterhin durch Landgewinnung, Strassen- und Siedlungsbau statt.

(Originalaufnahmen aus dem Rombachtäli)

Es gibt geeignetere Gegenden um Verdichtungsvorhaben zu verwirklichen, als Lebensräume in denen Arten aufgrund der natürlichen eingebetteten Siedlung durch die wenigen noch bestehenden Naturräume queren und ein für viele Bewohnerinnen nicht nachvollziehbarer Quartierauftakt wenige Meter vor den Wäldern geschaffen werden soll. In einer Zeit, in welcher laufend Wohnungsleerstände in den Medien gemeldet werden, ist ein Vorhaben durch das ein derart in der Natur lokalisiertes Ökosystem nachhaltigen Schaden tragen kann, in mehrfacher Hinsicht sehr kritisch zu betrachten.

In einer Zeit des ökologischen Raubbaus, sollten derartige Aspekte von Beginn an geprüft werden und Ökologie ein gelebter Bestandteil jeglicher Bauvorhaben zum Erhalt unserer Lebensgrundlagen und Ressourcen in der Schweiz sein. Der sistierte Entwicklungsrichtplan Rombachtäli gab hierauf keine konkreten Antworten. Er berücksichtigte nicht, dass im Rombachtäli die höchste Verdichtung der Gemeinde Küttigen – Rombachs, mit den geringsten Flächenwerten pro Person bereits vorliegt und gefährdete die wenigen verbliebenen Grünflächen und Durchlässigkeit für die vielen bedrohten Arten.

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Amphibieninventar – Laichgewässer Agis Viewer

Da Naturschutz im Sinne der bedrohten Arten, unserer Nachkommen und Landes, wie auch Mitwirkung gelebte Praxis sein sollte,  wurde der Gemeinderat um Belege gebeten wie im sistierten Mitwirkungsverfahren zum Entwicklungsrichtplan  Rombachtäli, welches an drei Seiten an den Wald und weitere Naturschutzgebiete in Küttigen anstösst – Artenschutz und Naturschutz vor einem Entscheid ausreichend, analytisch, nachhaltig und schriftlich geprüft worden sind.

Es wurden folgende Begehren formuliert (September 2017):

  1. Begehren um eine Stellungnahme zum erhobenen Ist- Zustand bezüglich der Einhaltung des Natur- und Heimatschutzes   
  1. Begehren um eine Stellungnahme zur fundierten Erhebung und Berücksichtigung der bedrohten Arten im Rombachtäli im Rahmen des Entwicklungsrichtplans

Weitere Begehren zu Errichtung einer Schutzzone für die letzten verbliebenen Korridore (eine Vernetzung zwischen den 3 Waldrändern ist elementar),  die Prüfung von WIN WIN Situationen und bzgl. eines systematischen Datenassessments der Arten und Stollen wurden ebenfalls eingereicht.

Da ein Naturinventar seitens der Gemeinde auch nach der erfolgten Assessmentphase nicht zur Verfügung steht, wurde ein Erhebungsinstrument entwickelt. Die Daten diverser Arten werden in Ornitho.ch und Webfauna eingetragen.

Macht mit beim Schutz unseres Ökosystems. Hier findet ihr unser Erhebungsinstrument Naturinventar Rombachtäli:1. Erhebung Naturinventar Rombachtälivs.1.2._18_01_14

Wir sind zudem mit diversen Verbänden in dieser lebensnotwendigen und nachfolgende Generationen betreffenden Thematik im Kontakt und es haben mehrere Begehungen stattgefunden.

Bauvorhaben ohne Grundlagedaten und Kenntnisse, in Zeiten des Wohnungsleerstands, entgegen dem Interesse vieler Menschen in ein Tal zwängen wollen, dass in der Gemeinde bereits am höchsten besiedelt ist und zahlreichen Tierarten (darunter kritisch bedrohte) die notwendige Durchlässigkeit mit den wenigen verbliebenen Grünflächen bietet, wäre im Hinblick auf nachfolgende Generationen und Nachhaltigkeitskriterien nicht akzeptabel.

Forschungspreis und Publikationen:

http://naturschutz.ch/news/diesjaehriger-hw-forschungspreis-fuer-feuersalamanderstudie/120317

http://www.skn-reptilien.ch/DGHT-Schweiz/Aktionsbroschueren/2016_Feuersalamander.pdf

Medien:

https://www.nzz.ch/panorama/alltagsgeschichten/feuersalamander-in-den-fokus-gerueckt-ld.3953

Bundesamt für Statistik: BFS Leerwohnungszählung 2017

*Diese und weitere Bildaufnahmen wurden im Rombachtäli im Zeitraum September – November 2017 gemacht.

„Was sind das für Zeiten, wo

Ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist

Weil es ein Schweigen über so viele Untaten einschließt!“

aus Bertolt Brecht – An die Nachgeborenen