Das Rombachtäli

Mehrere Alleinstellungsmerkmale machen das Rombachtäli attraktiv, einzigartig und schützenswert.

AM

Einzigartige Landschaftskammer

Das Lebens- und Ökosystem Rombachtäli ist mit 42000 Quadratmetern (4.2ha) klein und liegt in erhöhter Lage. An drei Seiten ist diese einzigartige Landschaftskammer von Wäldern umgeben, die direkt an die Naturschutzgebiete der Gemeinde Küttigen- Rombach angrenzen.

Lebensader Rombach

Der Rombach fliesst entlang des Rombachtälis in die Aare ab. Er ist Laichplatz und Lebensraum für viele gefährdete und geschütze Arten, die nicht selten den Weg durch das eng besiedelte Siedlungsgebiet auf sich nehmen müssen.

Naturauftakt und Naherholungsgebiet an der Kantonshauptstadt

Es zieht Bürgerinnen, Besucherinnen und Naturfreunde mit unterschiedlichsten Interessen an und erhält die Natur in direkter Nähe zur Kantonshauptstadt als Lebens- und Naherholungsgebiet.

Heimat mehrerer kritisch bedrohter Arten

Neben kritisch bedrohten Arten wie dem Feuersalamander leben Fledermausarten, Ringelnattern (kritisch bedroht), eine Vielzahl an Kröten- und Eidechsenarten hier. Seltene Vögel wie der Eisvogel (Schutzstatus verletzlich) ziehen Ornithologen an, um das Tal zu besuchen. Eine Erhebung zu zahlreichen weiteren Arten in unserem schützenswerten Ökosystem derzeit statt. In unserer laufenden Erhebung konnten bereits in Phase 1 mehr als 90 Arten klassifiziert werden, wovon 22 auf den nationalen roten Listen als besonders verletzlich/ bedroht aufgeführt sind. Erster Bericht Erhebung Naturinventar Rombachtälivs.1.3_18_05_27

 

Ein Mix sozialer Schichten, Kulturen und Nationen auf hoch verdichtetem Raum

Die 292 Menschen im  Rombachtäli leben eng beieinander und haben 26% weniger Fläche pro Einwohner zur Verfügung als Menschen der Gemeinde Küttigen – Rombach im Durchschnitt. Anders formuliert pro Hektar leben hier bereits 69.52 Einwohnerinnen – seit Jahrzehnten – so wie es der kantonale Richtplan als Mindestdichte in Kernstädten und urbanen Entwicklungsräumen bis zum Jahr 2040 erst fordert (Gemeinde Küttigen – Rombach im Durchschnitt 42 Einwohnerinnen pro ha).

Elf grosse Mehrfamilienhäuser, einundzwanzig Reihenfamilienhäuser und die bestehenden sechs Einfamilienhäusern sorgen für eine sehr hohe Verdichtung und Population, als auch für ein friedliches Zusammenleben von Menschen unterschiedlichster Nationen und sozialer Schichten. Die finanzielle und soziale Durchmischung der Bewohner des Rombachtälis macht das Gebiet lebendig.

Bildschirmfoto 2018-01-30 um 13.25.54

Historisches Erzabbaugebiet mit jahrhundertealten Schächten als Lebensraum

Zwischen 1500 und 1850 wurde in unserem Tal Bohnerz abgebaut. Der Eingang zu einem der Stollen, der Vorsichtstollen, liegt direkt im Rombachtäli. Jahrhundertealte Gänge beginnen hier und verlaufen in den Wäldern. Durch den Bohnerzabbau entstanden etliche Gruben, welche sich teilweise mit Wasser füllten und so zu einem Lebensraum für viele Amphibienarten wurden. Ob und wie diese Gruben gepflegt worden sind ist bislang unklar. Sicher ist, dass sie ein unerforschter Lebensraum der hier lebenden kritisch bedrohten Arten sind, und die stark gefährdeten Gelbbauchunken (Rote Liste Gefährdungsstufe EN -stark gefährdet) bevorzugt in Bohnerztümpeln sowie weiteren Gewässern wie Lehmabbaugruben zu finden sind.

Das Erz wurde in Trögen gewaschen, auf der Aare nach Albbruck geführt und in den St. Blasischen Schmelzöfen verhüttet. Der berühmte Aarauer Major und Revolutionär Daniel Pfleger besass das Rombachgut zwischen 1782-1801, und führte erfolgreich eine Klage gegen die zuständige Kommission in Bern, wonach ihm  Entschädigungen für Durchfahrt und Landeplatz beim Erzabbau zugestanden worden sind.  „1792 zahlte Bern dem Grundeigentümer des Rombachtälihofes, Major Daniel Pfleger, die runde Summe von 200 Gulden, weil eine Schlammlawine vom Stolleneingang her seine Wiesen überflutet hatte. Das Unternehmen pachtete von Pfleger gegen 106 Gulden im Jahr ein Durchfuhrrecht und einen Abladeplatz. Mehr dazu und den ArbeiterInnen im/ um den Stollen:

Die Hungerberg-Erzstollen im Rombach als Saisonarbeitsplatz vor 200 Jahren : Aussagen eines Zettels

„Zur Zeit der Berner Herrschaft existierten in diesem Gebiet drei Bergwerke: der Küttiger Stollen am Tannenbächli, das Reservebergwerk im Rombachtäli und der Erlachstollen gegen Erlinsbach. Letzterer alleine lieferte um das Jahr 1800 rund 40 000 Kübel Erz mit je ca. 90 Liter Fassungsvermögen“. Bericht AZ Stolleneinbruch

BE

Der Küttiger Dachapfel und Rückgang der Hochstammbäume in Küttigen / Rombach

„Um 1900 gab es in der Schweiz weit über 3000 Obstsorten, heute sind es noch etwa 2000. Davon brauchen die meisten Sorten einen besonderen Schutz, da sie zum Teil nur noch auf wenigen Bäumen gedeihen. In der gleichen Zeitspanne ging die Zahl der Feldobstbäume um 80 Prozent zurück.“ (ProSpecieRara, Schweizerische Stiftung für kulturhistorische und genetische Vielfalt von Pflanzen und Tieren)

Es sollte geprüft werden,  inwiefern es machbar ist, dass Küttigen als historisches Gebiet des Apfelanbaus (der Küttiger Dachapfel wird bei ProSpecieRara gelistet) mit hohem Interesse an Hochstammbäumen seitens der Bevölkerung, in Zeiten des Imports von 8000 Tonnen ausländischer Äpfeln, hierdurch ein weiteres Erbe erhält und richtungsweisend agieren kann.

Im Jahr 1950 gab es in Küttigen noch 20000 Hochstammbäume, während heute weniger als 10% (1800) davon noch existieren.

Rombachtäli Geschichts und Naturlehrpfad

Aargauer Zeitung – Hochstammbäume gehen in Küttigen zurück – Gemeinderat will die Bäume schützen

Nationale Datenbank zur Erhaltung der pflanzengenetischen Ressourcen:  https://www.bdn.ch/variety/14-001-572/

ProSpecieRara: https://www.prospecierara.ch/de/obst/obst

Aargauer Zeitung: Bund bewilligt Import von 8000 Tonnen Äpfeln

Mehr zum Ökosystem, Biodiversität,  kritisch bedrohten Arten und der Erhebung eines Naturinventars im Rombachtäli erfahren Sie in dieser Rubrik: Ökosystem

Mehr zum Lebenssystem, wie  Nationalitäten, Verdichtung, nachhaltiger Entwicklung und aktuellen Fakten zum Leerwohnungsstand in der Schweiz und im Kanton Aargau finden Sie in dieser Rubrik: Lebenssystem